Siegreich abgerutscht

Da ist er wieder, der Erdrutschsieg, diesmal bei den Kommunalwahlen in England. Die Redakteure und Korrespondenten lieben das Wort so sehr, dass sie es auch bei einem Stimmengewinn von mal gerade vier Prozent in die Tasten kloppen bzw. in die Puschelmikros posaunen. Aber selbst wenn es 30 Prozent wären: Was soll das sein, ein Erdrutschsieg? Rutschen kann man nun mal leider nicht nach oben, Richtung Spitze, Gipfel, Olymp, sondern nur abwärts, in die Niederungen, die Tiefe. weiter…

Döner lebt dank Selbstzensur

Wenn sich ein Thema länger als sagen wir drei Tage in den Nachrichten hält, bekommt es quasi als Markensiegel einen eigenen Namen verliehen. Euro-Krise, Abhörskandal, Plagiatsaffaire – ein Wort und jeder weiß, worum es geht. Das ist praktisch und passiert so automatisch, dass auch verharmlosende, irreführende oder einfach nur völlig idiotische Etiketten ruckzuck aufgepappt sind, ohne dass irgendjemand jemals das Bedürfnis verspürt, sie zu entfernen und durch besser passende zu ersetzen. weiter…

Raider heißt jetzt Twix

Wenn Politiker plötzlich ihre Positionen ändern, macht das keinen guten Eindruck aufs Volk. Die CDU war immer strikt gegen Mindestlöhne, jetzt ist sie plötzlich dafür. Wie verkauft man das den Leuten im Lande und wie gewinnt man die Koalitionspartner FDP und CSU, die immer noch Pickel bekommen, wenn sie nur das Wort hören? Was schwierig klingt, ist in Wirklichkeit pippileicht: Mindestlohn heißt nicht mehr Mindestlohn, sondern Lohnuntergrenze – und schon finden das alle eine sehr sehr schöne Idee.

 

Weg mit den Alten

Endlich hat man den Mann gefasst, der in Berlin monatelang wahllos Autos in Brand steckte. Die Nordwest-Zeitung vom 24. Oktober schreibt dazu: „Weil bei einem Brandanschlag ein Haus beschädigt wurde und ein weiteres Mal ein Altenheim direkt neben einem brennenden Auto stand und so Menschen gefährdet wurden, lautet der Haftbefehl auf den Vorwurf der schweren Brandstiftung.”
Richtig so. Aber es muss auch die Frage erlaubt sein, warum sich das Altenheim ausgerechnet neben ein brennendes Auto stellen musste.

Wo gehebelt wird, fallen Haare

Auch wenn man damals im Physikunterricht nicht immer alles verstanden hat – die Sache mit dem Hebel war leicht! Man muss nur mal gewippt oder eine Nuss geknackt haben, um zu wissen, wie man ohne zusätzliche Anstrengung seine Kraft vervielfältigen kann. Es ist ein Geniestreich der Politik-Berater, den Begriff des Hebels jetzt auf ein Unterfangen anzuwenden, das gewaltige zusätzliche Anstrengungen erfordert und so kompliziert ist, dass es einem niemand wirklich gut erklären kann. weiter…

Schwedische Gardinen und Tapetenwechsel

Der so genannte Waffen-Lobbyist Karlheinz Schreiber muss sich erneut vor Gericht verantworten. Nachdem ihn das Landgericht Augsburg bereits 2010 wegen Steuerhinterziehung zu acht Jahren Haft verurteilt hatte, wird es den Fall nun noch einmal verhandeln. Dazu schreibt die Süddeutsche Zeitung am 7. September: „Ob Schreiber in einem neuen Prozess besser wegkommt, ist keineswegs ausgemacht; im ungünstigsten Fall könnte zur Verurteilung wegen Steuerhinterziehung ein weiterer Schuldspruch wegen Bestechung kommen“. Wenn das passiert, weiter…

Kuscheln unterm Rettungsschirm

Eine der Aufgaben von Politikern besteht darin, den Bürgern unpopuläre Maßnahmen zu verkaufen. Je komplizierter und umstrittener die Vorhaben sind, desto wichtiger ist es, ihnen positiv und harmlos klingende Namen zu geben. Das robuste Mandat zum Beispiel hört sich doch gleich ganz anders an als die Lizenz zum Töten; von ethnischen Säuberungen darf man längst so sprechen, als wäre das die offizielle Bezeichnung für Völkermord und nicht die perfide Wortschöpfung menschenverachtender Regimes; bei dem Wörtchen Verklappung weiter…

Halluzinierende Autobahnpolizei

Wer mal einen richtigen Horrortrip erleben will, der sollte sich mit seinem PKW auf die Höllenroute A 28 im vermeintlich beschaulichen Ostfriesland begeben. In der Nordwest-Zeitung vom 12. August steht: “Mit 2,45 Promille Alkohol im Blut haben Beamte der Autobahnpolizei Ahlhorn einen Fahrradfahrer auf der Autobahn 28 aufgegriffen.” weiter…

Mogelwörter: Mehr Silben, gleicher Inhalt

Prall aufgeblasene Bonbontüten, halbleere Waschpulverkartons, Crèmetiegel, bei denen der Deckel größer ist als der Topf – die Wut der Bürger über Mogelpackungen wächst und die Verbraucherzentralen können ellenlange Websites mit den Beschwerden der Konsumenten füllen. Aufgeblasene, halbleere Mogelwörter regen dagegen kaum jemanden auf, sondern gelten als professionell und verströmen eine Aura der besonderen  Bedeutsamkeit. Für Berufsredner und -schreiber sind sie daher einfach unentbehrlich. weiter…

Staatsvertrag über bizarren Mitarbeiter

Das Hamburger Abendblatt vom 30. August informiert: “Gestern unterschrieben Vertreter von Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern in Wiesbaden einen Staatsvertrag für eine gemeinsame Zentrale der Bundesländer, um künftig bei der Überwachung als gefährlich geltender Ex-Straftäter mit einer elektronischen Fußfessel zusammenzuarbeiten.”